Windkraft im Landkreis Neu-Ulm Sieben Gebiete. Entschieden ist nichts.
Was es bedeutet

Wald, Wild und Jagd

rund ein Hektar je Anlage. Ein Drittel des Michelseck ist Wald, Eschach liegt fast ganz im Wald. Jeder Standort im Wald bedeutet Rodung. Und das Wild bleibt danach nicht dort, wo es vorher war.

Gut ein Drittel des Michelseck, rund 36 Hektar, ist Wald. Das Gebiet Eschach mit 191 Hektar liegt zum größten Teil im Wald. Was eine Anlage im Wald an Fläche kostet, hat ein Projektierer in einem bayerischen Parallelfall selbst beziffert: rund ein Hektar je Anlage, davon drei Viertel dauerhaft.[1] Dazu kommen Schneisen für Transport und Kabel und neue Waldränder, die dem Wind ausgesetzt sind.

Für das Wild ist nicht die Rodung das Hauptproblem, sondern die Dauerunruhe. Die schwedische Forschungsreihe Vindval, getragen unter anderem von der schwedischen Energiebehörde, hat über Jahre untersucht, wie sich Schalenwild in Windparkgebieten verhält. Ergebnis: Die Erschließungswege sind der Haupttreiber des Lebensraumverlusts, und die Wirkung der Betriebsphase wird regelmäßig unterschätzt.[2]

Wenn Wild den Wald meidet, steht es auf dem Acker. Das trifft die Landwirte, und es trifft den Jagdpächter, der für Wildschaden haftet.

Genauer

Die einzige Langzeitreihe mit GPS-Sendern an Wildtieren in Windparks stammt von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften. Über mehrere Jahre wurden Rentierherden vor, während und nach dem Bau verfolgt. Die Tiere nutzten Flächen im Umfeld deutlich weniger als vorher, und die Wirkung war in der Betriebsphase teils stärker als während der Bauarbeiten.[3] Rentiere sind keine Rehe, das sagen wir dazu. Aber es ist die einzige Untersuchung dieser Art an einer Hirschart weltweit, und ihre Richtung ist eindeutig.

Für Jagdgenossenschaften und Pächter kommt eine handfeste Frage dazu: Wer trägt das Risiko, wenn das Revier weniger wert ist und der Wildschaden steigt? Das Landgericht Hildesheim hat entschieden, dass eine Pachtminderung nach Vertragsschluss scheitert, wenn keine Klausel dafür im Vertrag steht.[4] Wer jetzt verlängert, sollte die Klausel vorher hineinschreiben, nicht nachher verhandeln. Merkblatt für Jagdgenossen und Pächter

Was den Artenschutz angeht: Über dem Rothtal jagt der Rotmilan. Rund die Hälfte des Weltbestands dieser Art lebt in Deutschland; die Zahl stammt vom Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende, das den Ausbau begleitet.[5] Wie streng geprüft wird, steht weiter unten.

Das werden Sie dazu hören

„Der Artenschutz wird streng geprüft.“

Er wurde streng geprüft. In ausgewiesenen Windenergiegebieten ist die artenschutzrechtliche Prüfung für die einzelne Anlage nicht mehr durchzuführen, Kartierungen durch den Vorhabenträger sind ausdrücklich nicht erforderlich, und Schutzabschaltungen gelten als unzumutbar, sobald sie mehr als sechs Prozent des Jahresertrags kosten. Das steht so im Gesetz. Was geprüft wird, ist die Fläche im Regionalplan, und dort wurde mit vorhandenen Daten gearbeitet, nicht vor Ort geschaut.

„Das Wild gewöhnt sich, man sieht doch Rehe unter Windrädern stehen.“

Einzelne Tiere sieht man tatsächlich. Die Frage ist, wie die Fläche insgesamt genutzt wird, und das misst man mit Sendern über Jahre, nicht mit einem Blick aus dem Auto. Wo man das getan hat, kam ein deutlicher Rückgang der Flächennutzung heraus.

„Es wird ja aufgeforstet, Ausgleichsflächen gibt es auch.“

Ausgleich schafft neuen Wald an anderer Stelle. Der Bestand hier ist trotzdem weg, und ein Wald, der gerodet wird, wächst in Jahrzehnten nicht nach. Für das Revier, das zerschnitten wird, hilft eine Fläche im Nachbarort nichts.

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Quellen und Belege
  1. Angaben des Projektierers im Verfahren Mehring, Landkreis Altötting, Berichterstattung der dpa vom 29.01.2024.
  2. Vindval (Naturvårdsverket und Energimyndigheten), Berichte 6499 und 6510 zu Wildtieren und Windkraft.
  3. Skarin und andere, GPS-Telemetriereihe der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften (SLU), 2015, 2017 und 2018.
  4. Landgericht Hildesheim, Aktenzeichen 4 O 472/03.
  5. Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende, unter Verweis auf Mammen und andere, 2014.