Ihr Haus
bis zu 23 Prozent. Windräder in Sichtweite drücken den Wert von Häusern. Wie stark, hängt von Abstand, Größe der Anlage und Lage ab. Am stärksten trifft es ältere Häuser auf dem Land, und das ist hier fast jedes.
Das RWI, ein Leibniz-Institut, hat die Kaufpreise von rund drei Millionen Ein- und Zweifamilienhäusern in Deutschland ausgewertet und mit dem Bau von Windrädern in der Nachbarschaft verglichen. Ergebnis: Bei einem Kilometer Abstand sinkt der Wert im Schnitt um gut sieben Prozent. Für ältere Häuser im ländlichen Raum sind es bis zu 23 Prozent.[1]
Der Ortsrand von Luippen läge rund 340 Meter von der Gebietsgrenze, Neubronn rund 370, Roth rund 650, Unteregg rund 390, Biberachzell rund 560. Das ist deutlich näher als der Kilometer, für den die Studie rechnet.
Eine dänische Untersuchung von 2,4 Millionen Hausverkäufen kommt auf dieselbe Richtung und beziffert zusätzlich, was Schattenwurf allein ausmacht: noch einmal gut acht Prozent.[2] In Dänemark gibt es deshalb seit Jahren ein gesetzliches Verfahren, mit dem Anwohner den Wertverlust ersetzt bekommen. In Deutschland gibt es das nicht.
Genauer
Der Zusammenhang ist über Länder und Datenarten hinweg stabil. Untersucht wurden tatsächliche Kaufpreise, nicht Umfragen: in Deutschland das RWI, in Dänemark Andersen und Hener, in den Niederlanden Dröes und Koster, in den USA mehrere Arbeiten. Die Größenordnungen unterscheiden sich, die Richtung nicht.
Drei Dinge kommen immer wieder heraus. Je näher, desto stärker. Je größer die Anlage, desto stärker; die Studien der letzten Jahre rechnen mit Anlagen, die deutlich kleiner sind als die hier geplanten. Und je ländlicher und älter das Haus, desto stärker, weil dort der freie Blick ein größerer Teil des Werts ist.
Was das im Einzelfall heißt, kann Ihnen niemand seriös auf den Euro sagen. Ein Haus ist keine Aktie, jeder Verkauf ist anders. Aber wer hier ein Haus hat, sollte wissen, dass die Forschung diesen Effekt findet, und zwar überall dort, wo man ihn gesucht hat.
Das werden Sie dazu hören
„Studien zeigen, dass Windräder den Wert der Häuser nicht mindern.“
Solche Studien gibt es, und es lohnt, sie sich anzusehen. Die am häufigsten zitierte stammt von der französischen Umwelt- und Energieagentur ADEME. Sie findet kleine Effekte, allerdings für Anlagen, die im Schnitt nur etwa halb so hoch sind wie die hier geplanten, und für einen Zeitraum, in dem der französische Immobilienmarkt insgesamt stark stieg. Andere Arbeiten mit Nullbefunden betrachten Städte oder Vorstädte, wo der Blick weniger Teil des Werts ist.
Wichtiger als jede einzelne Studie: Wenn der Effekt nicht existierte, bräuchte Dänemark kein gesetzliches Entschädigungsverfahren dafür. Der dänische Staat zahlt nicht für Einbildung.
„Davon hätte man ja mal gehört. Niemand entschädigt so etwas.“
In Deutschland stimmt das, und genau das ist der Punkt. In Dänemark gibt es seit 2009 ein Verfahren, mit dem Anwohner den Wertverlust ihres Hauses ersetzt bekommen, bezahlt vom Betreiber. Dass es hierzulande keine Entschädigung gibt, sagt nichts darüber, ob der Verlust eintritt. Es sagt nur, wer ihn trägt.
„Die Pacht gleicht das doch aus.“
Pacht bekommt, wem die Fläche gehört, auf der die Anlage steht. Das sind bei sieben Gebieten eine Handvoll Eigentümer. Den Wertverlust tragen alle, die in Sichtweite wohnen, auch die ohne Fläche. Für die allermeisten im Dorf gibt es also nur die eine Seite der Rechnung.
- Frondel, Kussel, Sommer, Vance (RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung): Local Cost for Global Benefit, Ruhr Economic Papers 791, 2019.
- Andersen, Hener: Environmental and Resource Economics 88 (2025), Seiten 731 bis 759.